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ECLAT Konzert 8

Stuttgart / Theaterhaus / T2 und T3

Manos Tsangaris: EILAND (ISOLA)
Das aufgehobene Ich
für Stationen im Raum, Stimmen, Kontrabassklarinetten und Licht (2015) UA der vollständigen Fassung

 

Einlass zwischen 22:30 Uhr und 23:15 Uhr
Bitte entscheiden Sie individuell, wann Sie in das Stationentheater eintreten und wie lange Sie verweilen wollen.

 

I
Truike van der Poel, Mezzosopran (auch Arztlampe, Mighty Brights an Klemmbrett,
Dimmlampe, zwei chinesisch-türkische Effektlampen
Andrea Nagy, Kontrabassklarinette

 

II
Guillermo Anzorena, Bariton (auch Arztlampe, Mighty Brights an Klemmbrett, Teleskoplicht,
Dimmlampe, horizontale Drehscheibe mit blauer Beleuchtung)

 

III
Johanna Zimmer, Sopran (auch Arztlampe, Mighty Brights an Klemmbrett, Übergangslicht am Boden in Blau)
Andreas Fischer, Bass (auch Arztlampe, Mighty Brights an Klemmbrett)
Theo Nabicht, Kontrabassklarinette

 

IV
Susanne Leitz-Lorey, Sopran (auch Arztlampe, Mighty Brights an Klemmbrett, Gegenlicht in Blau)
Martin Nagy, Tenor (auch Arztlampe, Mighty Brights an Klemmbrett)
Armand Angster und Hans Koch, Kontrabassklarinetten

 

V
Olivier Vivarès, Kontrabassklarinette (auch Dimmlampe, Öllampe, Lichtkreisel-Pendel,
Schilder auf Notenständer mit Mighty Brights)

 

VI
Bernhard Zachhuber, Kontrabassklarinette (auch Dimmlampe, Öllampe, Lichtkreisel-Pendel,
Schilder auf Notenständer mit Mighty Brights)

 

Biographie und Werkkommentar

Manos Tsangaris (*1956), Komponist, Trommler und Installationskünstler, ist Professor für Komposition an der Hochschule für Musik Dresden, Mitglied der Akademie der Künste Berlin, daselbst seit 2011 Direktor der Sektion Musik sowie (zusammen mit Daniel Ott) künstlerischer Leiter der Münchener Biennale für Neues Musiktheater ab der Festivalausgabe 2016.
Seit den 1970er Jahren macht Manos Tsangaris immer wieder innerhalb unterschiedlicher künstlerischer Formate die Bedingungen der Aufführung zum wesentlichen Gegenstand von Komposition. Er verfasst literarische Texte und ist Autor von bildnerischen und installativen Arbeiten. An den Schnittstellen dieser verschiedenen Medien erforscht der Komponist, inwiefern mediale Verbindungen über das gekonnte Arrangement derselben hinaus überhaupt möglich sind. Mit der Originalität seines Ansatzes gehört er zu den wichtigsten Vertretern eines neuen Musiktheaters, einem neuartigen künstlerischen Format im Zusammenspiel von Klang, Wort und Szene.

 

EILAND (ISOLA)
Angeblich wurden in der Antike manche Götter auch sitzend dargestellt. Andererseits war es ein deutliches Zeichen der Unterwerfung, wenn – beispielsweise bei Versammlungen – einige Beteiligte im Stehen redeten und andere sitzen mussten. Sie saßen und waren zum Lauschen verdonnert. So ähnlich, wie wir heutzutage in den meisten Konzerten oder Theatern nur stillsitzen dürfen. Seit mehr als fünfunddreißig Jahren arbeite ich an unterschiedlichen Strategien und Formen, um eine – auch physische – Freilassung des Publikums zu ermöglichen, ohne automatisch den Werkgedanken und die notwendige Konzentration der Wahrnehmung zu korrumpieren. Also nicht einfach Wandelkonzerte oder Teller Bunte Knete mit Partizipation sind das Ziel, sondern differenziert auskomponierte Ereignisse, die dynamisierte Wechsel und differenzierte Übergänge beinhalten. In EILAND (ISOLA) Das aufgehobene Ich möchte ich nun versuchen, den Raum ganz und gar offen zu lassen, in dem zeitgleich sechs Stationen zirkulieren, die, genau komponiert, zusammen ein variierendes Band bilden, das sich permanent in einander verschiebt. Das frei flanierende Publikum ist eingeladen, gelegentlich einige der Stationen zu besuchen und dort ein anderes Stück zu erleben als jenes, das von außen gesehen und gehört werden kann. Anders ist diese Aufführung von innen betrachtet vor allem deshalb, weil die Komposition hier auf den Schnittpunkt und die räumliche Position der Rezipienten hin präzise ausgerichtet und zugeschnitten werden kann. Soll sagen, performative Nähe und Entfernung lässt sich auf viel intensivere Weise steuern, als wir es sonst kennen. Bonus: Etwas, das aufgehoben ist, wird bewahrt (wie ein wertvoller Gegenstand etwa) oder nivelliert (wie zum Beispiel ein Urteil.) In EILAND geht es auch um unser Ich, das – aufgehoben und aufgehoben – in unterschiedliche Aggregatzustände des Raumes hinein sich bildet und auflöst. Manos Tsangaris

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