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Mikromusik - Festival experimenteller Musik und Sound Art

15.09.2018 Berlin / Akademie der Künste

Skull ark, upturned with no mast (2017-18)

Komposition und Konzeption: Clara Iannotta
Bühnenbild: Anna Kubelik
Lichtdesign: Eva G. Alonso


Truike van der Poel, Mezzosopran (Neue Vocalsolisten)
Johanna Zimmer, Sopran (Neue Vocalsolisten)
Karin Hellqvist, Violine
Emma Iannotta, Tanz
Chris Swithinbank, Sound


Koproduktion der Münchener Biennale 2018 mit Musik der Jahrhunderte Stuttgart

Gefördert durch die
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Welche Dimensionen des Wortes "Privatsache" stehen eigentlich im Raum, wenn extreme äußere Bedingungen das Dasein bestimmen? Dies fragten sich Clara Inanotta und Anna Kubelik, als sie auf ein frappierendes Naturereignis stießen. In einem Artikel lasen sie von zwei Garnelen, die als Larven in einen Gießkannenschwamm gespült wurden. Fixiert im Inneren des Schwamms wuchsen die Garnelen auf, erhielten dort alle notwendigen Nährstoffe und lebten ihr (ungewöhnlich langes) Leben in unfreiwilliger Abgeschlossenheit von der Außenwelt. Die Frage wäre nun: wird ein solcher Zustand als natürlich empfunden, wenn er bereits im frühesten Entwicklungszustand eines Lebewesens eintritt? Oder erwirken vererbte Instinkte ein wie auch immer geartetes Bewusstsein von der erzwungenen Einschränkung des natürlichen Verhaltensspektrums und lösen Widerstandsimpulse aus? Eingeklemmt in die Strukturen einer raumgreifenden Skulptur simulieren in Iannottas Musiktheater vier Sängerinnen, Musikerinnen und Tänzerinnen die widersprüchlichen Umstände einer fast vollständigen Einschränkung privater (Instinkt-)Bedürfnisse und fragen nach verbliebenen Handlungsmöglichkeiten in Zuständen absoluter Isolation.


Die 1983 in Rom geborene Clara Iannotta interessiert sich vor allem für Musik als existenzielle, physische Erfahrung – Musik soll man ebenso sehen wie hören. Dies ist einer der Gründe dafür, dass sie lieber von der Choreografie des Klangs statt von Orchestrierung spricht. Iannotta hat an den Konservatorien von Mailand und Paris, am IRCAM und an der Harvard University bei Alessandro Solbiati, Frédéric Durieux und Chaya Czernowin studiert. Zuletzt schrieb sie u.a. für Quatuor Diotima (DAAD), Trio Catch (Wittener Tage für neue Kammermusik), Ensemble Intercontemporain (Festival d’Automne), Ensemble 2e2m (Festival Présence, Radio France), Münchener Kammerorchester (Musica Femina München), Neue Vocalsolisten Stuttgart (Festival ECLAT), Arditti Quartet (Festival d’Automne) und Nikel (Internationales Musikinstitut Darmstadt). Iannotta war 2013 Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD und wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Berlin Rheinsberger Kompositionspreis und dem Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart. Sie erhielt ein Stipendium der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen, war Finalistin des Gaudeamus-Preises und stand mit der Portrait-CD „A Failed Entertainment" auf der Bestenliste 2/2016 der deutschen Schallplattenkritik. Im Dezember 2017 erhielt sie den renommierten Hindemith Preis des Schleswig-Holstein Musik Festivals. Seit 2014 ist Iannotta künstlerische Leiterin der Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik.Sie lebt und arbeitet in Berlin.

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