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Neue Vocalsolisten Stuttgart

Die sieben Konzert- und Opernsolisten, vom Koloratursopran über den Countertenor bis zum schwarzen Bass, verstehen sich vor allem als Forscher und Entdecker. Um dem Neuen den Weg zu bereiten, arbeiten die Neuen Vocalsolisten regelmäßig mit arrivierten und jungen KomponistInnen zusammen in der Recherche nach neuen Klängen, Stimmtechniken und vokalen Ausdrucksformen. So entstand im Laufe der letzten 20 Jahre ein reiches, hochvirtuoses und weltweit einzigartiges Repertoire vokaler Kammermusik.

Dabei bewegen sich die Neuen Vocalsolisten insbesondere auf dem Terrain des gegenwärtigen Musiktheaters, das mehr denn je durch elektronische Medien, Video- und Konzeptkunst geprägt ist. Interdisziplinäre Diskurse gehören daher selbstverständlich zur Arbeit des Ensembles. Bildende Kunst, Literatur, Film und performative Formate sind darin ebenso einbezogen wie Bezüge zu traditioneller Musik. Vor diesem Hintergrund haben die Neuen Vocalsolisten das Genre des vokalen Kammer-Musik-Theaters geprägt, unter anderem mit Werken von Georges Aperghis, Carola Bauckholt, Luciano Berio, Luca Francesconi, Lucia Ronchetti, Oscar Strasnoy und Claude Vivier. Partner des Ensembles sind dabei stets hochkarätige Spezialistenensembles und Orchester, internationale Opernhäuser, die freie Theaterszene, elektronische Studios sowie zahlreiche Veranstalter von Festivals und Konzertreihen neuer Musik in aller Welt.

Internationale Beachtung fanden in den vergangenen Jahren Musiktheaterproduktionen wie Freizeitspektakel von Hannes Seidl und Daniel Kötter, Aura von José-María Sánchez-Verdú, die Video-Konzert-Architektur Mediterranean Voices von zwölf KomponistInnen und dem Videokünstler Daniel Kötter über zwölf künstlerische Identitäten aus zwölf Ländern des Mittelmeerraums. Auch Dieter Schnebels Musiktheater Utopien, Nikolaus Brass‘ Sommertag und Simon Steen-Andersens Buenos Aires wurden den Neuen Vocalsolisten auf den Leib geschrieben und gehören seit ihren Uraufführungen 2014 zum Repertoire des Ensembles, ebenso wie Musiktheaterproduktionen von Annelies Van Parys (Private View), François Sarhan (La philosophie dans le boudoir), Katharina Rosenberger (tempi agitati) und Christoph Ogiermann (Inner Empire).

Im Jahr 2018 gibt es neben Wiederaufnahmen von "Utopien" (Schnebel) und "Buenos Aires" (Steen-Andersen) eine neue Produktion für die Operadagen Rotterdam (Annelies Van Parys: An Archive of Love). Und bei der Münchener Biennale 2018 bringen die SängerInnen fünf kammermusikalische Musiktheaterwerke von Clara Iannotta, Kaj Duncan David, Frederik Neyrinck, Lam Lai und Wilmer Chan sowie Saskia Bladt zur Uraufführung.

Insgesamt werden die Neuen Vocalsolisten 2018 über 30 Werke uraufführen.
Konzertreisen führen die Sänger wieder in zahlreiche Länder Europas, nach New York und nach Tel Aviv.

Stand Mai 2018

Johanna Zimmer / hoher Sopran
Johanna Zimmer
Johanna Zimmer © Manu Theobald
Johanna Zimmer wurde in Backnang geboren und erhielt früh Klavier-, Orgel- und Gesangsunterricht bei ihrer Mutter Rita Zimmer. Im Jahr 2001 begann sie ein Kirchenmusikstudium an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart, das sie 2008 mit dem A-Diplom beendete.
Parallel dazu nahm sie im Sommer 2005 ein Gesangsstudium bei Prof. Ulrike Sonntag auf, das sie später bei Prof. Renée Morloc (Gesang) und Marie Helle (szenische Darstellung) fortsetzte und 2012 mit dem Konzertexamen abschloss. Weitere künstlerische Impulse erhielt sie bei Meisterkursen von Edith Wiens und Dunja Vejzovic.

Als Solistin im oratorischen Bereich war sie u.a. mit Werken von Bach, Händel, Mendelssohn, Brahms und Fauré zu hören, auf dem Gebiet der Neuen Musik sang sie neben Werken von Arnold Schönberg, Helmut Lachenmann, George Crumb und Luigi Nono Uraufführungen von Mike Svoboda, Bernd Asmus und Axel Ruoff. Die Deutsche Erstaufführung der „Missa Deo Gratias“ von Jean-Pierre Leguay wurde vom SWR aufgezeichnet.
Als Mitglied von ensemble v.act (Leitung: Prof. Angelika Luz) war sie in diversen szenischen Projekten mit neuer Vokalmusik zu erleben, u.a. als Pierrot in „Pierrot lunaire – Cabaret Voltaire“ in Zusammenarbeit mit der Staatsoper Stuttgart.Im Herbst 2009 gewann sie beim Gesangswettbewerb des Lionsclubs Stuttgart-Schlossgarten den 1. Preis.
 
Von 2011 bis 2014 war sie Mitglied das SWR Vokalensembles Stuttgart. Seit Herbst 2014 ist sie Mitglied der Neuen Vocalsolisten.
Susanne Leitz-Lorey / lyrischer Sopran
Susanne Leitz-Lorey
Susanne Leitz-Lorey © Manu Theobald

Susanne Leitz-Lorey, lyrischer Sopran, studierte an der Musikhochschule Stuttgart. Nach Abschluss des Gesangsstudiums 1988 besuchte sie die Opernschule und legte 1991 die Bühnenreife ab. Kurse bei Eugen Rabine, Judith Beckmann, Barbara Schlick und Ingrid Figur vervollständigen ihre Studien.

In Zusammenarbeit mit Helmuth Rilling, Ingo Metzmacher, Hans Zender, Manfred Schreier und anderen ist sie als Konzertsängerin vielfältig künstlerisch tätig. Ihr Repertoire umfasst sämtliche große Oratorienpartien. Sie wirkt mit bei CD-Produktionen, Rundfunkaufnahmen und Operngastspielen.

Ihre Liebe gilt darüber hinaus dem Liedgesang, seit 1991 ist sie Mitglied der Neuen Vocalsolisten Stuttgart.

Truike van der Poel / Mezzosopran
Truike van der Poel
Truike van der Poel © Manu Theobald

Truike van der Poel studierte zunächst Altphilologie in Leiden, später Gesang in Den Haag und parallel dazu Chorleitung in Rotterdam. Nach dem Dirigierexamen war sie bis 2001 Lehrbeauftragte für Chorleitung an der Musikhochschule Hannover. Seitdem widmet sie sich ausschließlich dem Gesang.

Neben dem barocken und klassischen Oratoriumfach profilierte sie sich besonders auf dem Gebiet der Neuen Musik und gastierte u.a. beim Warschauer Herbst, beim Davos Festival, bei Musica Viva (München), in der Alten Oper (Frankfurt) und im IRCAM (Paris).

Truike van der Poel wirkte regelmässig im Balthasar Neumann-Chor (Thomas Hengelbrock) und der Schola Heidelberg (Walter Nussbaum) mit und arbeitete als Gastsolistin mit dem Ensemble L'Itinéraire und dem Ensemble Resonanz zusammen.

Sie sang solistisch in Uraufführungen vokaler Kammermusik von u.a. Salvatore Sciarrino, Carola Bauckholt, René Leibowitz, Dora Cojocaru, Thomas Stiegler, Erik Oña, Caspar Johannes Walter u.v.a. und gehört als "Stimme" zum Kölner Thürmchen Ensemble.

Seit 2007 ist sie Mitglied der Neuen Vocalsolisten Stuttgart.

Daniel Gloger / Countertenor
Daniel Gloger
Daniel Gloger © Manu Theobald

Der Countertenor Daniel Gloger inspiriert wie kaum ein anderer Sänger seines Fachs KomponistInnen unserer Zeit zu neuen Klängen. Leidenschaftlich begibt er sich wie auch in der historischen Musik bis zur Klassik dabei auf die Suche nach der idealen Interpretation eines Werkes.

Eine besonders enge Zusammenarbeit verbindet ihn mit Lucia Ronchetti, Jennifer Walshe, Georg Friedrich Haas, Bernhard Lang und Enno Poppe. Als regelmäßiger Gast bei den europäischen Festivals neuer Musik sang er über 200 Uraufführungen u. a. beim Ultraschall Festival Berlin, bei Musica Viva München, den Klangspuren Schwaz, den Tagen für Neuen Musik Zürich, dem Festival d’Automne Paris und dem Warschauer Herbst.

Mit großem Spielwitz und charakteristischer Stimme ist Daniel Gloger ein gefragter Darsteller im zeitgenössischen Musiktheater. Zu den herausragenden Arbeiten zählen hier die Titelrolle in Adriana Hölszkys "Der gute Gott von Manhattan" (Schwetzinger SWR Festspiele, 2004 und Semperoper Dresden, 2005) und die Titelrolle in der Uraufführung von Bernhard Langs "Montezuma - Fallender Adler" am Nationaltheater Mannheim 2010. Im Rahmen der Schwetzinger SWR Festspiele brachte er die Operntrilogie "Bluthaus" (2011), "Thomas" (2013) und "Koma" (2016) von Georg Friedrich Haas und dem Librettisten Händl Klaus erfolgreich zur Uraufführung.

Weitere Hauptrollen interpretierte Daniel Gloger an der Staatsoper Stuttgart (Chaya Czernowin: "Pnima"), der Staatsoper Berlin (Lucia Ronchetti: "Lezioni di tenebra"; Oscar Strasnoy: "Geschichte"), den Salzburger Festspielen ("Judith" nach Vivaldi), am Staatstheater Saarbrücken und den Wiener Festwochen ("Bluthaus") sowie am Teatro Colón in Buenos Aires (Oscar Strasnoy: "Hochzeitsvorbereitungen" und "Geschichte"). Die Uraufführung von "Melancholia" von Georg Friedrich Haas sang er an der Opéra national de Paris sowie in Folge an den Opernhäusern in Oslo und Graz. Vor dem Hintergrund seiner zahlreichen Erfahrungen als Solist im Musiktheater entwickelte Daniel Gloger 2013 das szenische Solo-Projekt "NACKT".

Der gebürtige Stuttgarter schloss sein Gesangsstudiums 2005 bei Donald Litaker an der Musikhochschule Karlsruhe mit dem Konzertexamen ab. Seine Diskographie umfasst u. a. CD-Aufnahmen mit dem Pianisten Peter von Wienhardt, dem Kammerchor Saarbrücken, dem Ensemble 2e2m Paris, den Komponisten und Interpreten von stock11.de sowie den Neuen Vocalsolisten Stuttgart. 

In der Saison 2017/18 führt ihn die Uraufführung von Alexander Kaisers "Schwarzes Licht" mit dem Klangforum Wien zum Transart Festival Bozen. Und nach der Uraufführung bei den Wiener Festwochen 2017 singt Daniel Gloger auch die Deutsche Erstaufführung der für ihn komponierten Titelrolle des Parzefool in der Oper "Mondparsifal Beta 9-23" von Bernhard Lang (Inszenierung: Jonathan Meese) im Haus der Berliner Festspiele.

Martin Nagy / Tenor
Martin Nagy
Martin Nagy © Manu Theobald

Martin Nagy erhielt nach dem Studium der Schulmusik an der Stuttgarter Musikhochschule mit den Hauptfächern Violine und Gesang, der Liedklasse und des Opernfachs zunächst ein Engagement an der Oper Annaberg-Buchholz.

Seit 1993 ist er freischaffender Konzert- und Opernsänger. Zahlreiche Rundfunk- und CD-Produktionen dokumentieren seinen Weg als Solist. Ein Schwerpunkt und zugleich belebender Kontrapunkt zu seiner Tätigkeit als Oratoriensänger ist heute die Arbeit mit den Neuen Vocalsolisten.

Guillermo Anzorena / Bariton
Guillermo Anzorena
Guillermo Anzorena © Manu Theobald

Guillermo Anzorena ist in Mendoza, Argentinien geboren. Er studierte Gesang an der Hochschule für Musik der Universität National von Cuyo. 1991 war er Preisträger beim Gesangswettbewerb "Junge Stimmen" in Buenos Aires, 1993 wurde er von der Richard-Wagner-Gesellschaft als "Junges Talent des Jahres" ausgezeichnet.

Verschiedene Stipendien ermöglichten ihm, sich in Argentinien intensiv mit dem deutschen Lied zu beschäftigen. Guillermo Anzorena lebt seit 1994 in Karlsruhe, absolvierte an der dortigen Hochschule für Musik ein Aufbaustudium sowie eine Ausbildung an der Opernschule. Seine Engagements als Opernsänger führten ihn u. a. zum Konstanzer Opernsommer und zur Jungen Oper Stuttgart. CD- und Rundfunkaufnahmen, u. a. mit dem SWR und der Jungen Oper Stuttgart begleiten seine solistische Laufbahn. Er spielte mehrere Liedzyklen von Carlos Guastavino ein und konzertiert als Mitglied der Ostinato-Stiftung international mit Werken zeitgenössischer argentinischer Komponisten.

Seit März 2000 ist er Mitglied der Neuen Vocalsolisten Stuttgart. Zahlreiche Konzerttourneen des Ensembles führen ihn durch das In- und Ausland. Bei einem Gastspiel der Neuen Vocalsolisten in Bergamo sang er die Hauptrolle bei der Weltpremiere der Oper Si von Roberto Andreoni. Seit Oktober 2000 ist er als Dozent für Gesang an der Hochschule für Kirchenmusik in Tübingen tätig.

Andreas Fischer / Bass
Andreas Fischer
Andreas Fischer © Manu Theobald

Der Bass Andreas Fischer studierte Schulmusik und Gesang in Stuttgart und Wien. Schon während des Studiums wurde das Interesse an zeitgenössischer Musik zum zentralen Aspekt seiner Arbeit. Als freischaffender Sänger, Ensembleleiter und als der Bass der Neuen Vocalsolisten Stuttgart wirkte er bei ungezählten Uraufführungen, CD – und Rundfunkproduktionen mit. Dabei ist ihm der enge und produktive Kontakt zu den Komponisten besonders wichtig. So arbeitete er in den letzten Jahren intensiv mit Karlheinz Stockhausen, Helmut Lachenmann, Luciano Berio, Peter Eötvös, Chaya Czernowin, Brian Ferneyhough, Beat Furrer, Salvatore Sciarrino und George Aperghis zusammen, um nur Einige zu nennen.

Sein besonderes Interesse gilt auch dem Musiktheater. So sang er 2000 beim Festival d'automne in Paris die Rolle des Perseo in der Oper Perseo e Andromeda von Salvatore Sciarrino, stellte bei den Schwetzinger Festspielen 2001 den Bacon in der gleichnamigen Oper von Manuel Hidalgo dar, war 2003 bei der Uraufführung von Hilda Paredes' Oper The Phantom Palace beim Festival of Arts and Ideas in New Haven in der Titelpartie des Benefactor zu hören und sang sämtliche Basspartien bei der Weltpremiere von Brian Ferneyhoughs Shadowtime im Rahmen der Münchner Biennale, beim Festival d'autommne in Paris, in der English National Opera in London und beim Lincoln Center Arts Festival in New York.

Mit der Rolle des Father in der Oper Zaide/Adama von Chaya Czernowin debütierte er im Sommer 2006 bei den Salzburger Festspielen. Mit derselben Produktion gastierte er 2007 am Theater Basel und war in einer Neuproduktion derselben Oper im Frühjahr 2008 am Theater Bremen zu sehen. Es folgten Uraufführungen von Enno Poppes Oper Arbeit, Nahrung, Wohnung und Aura, der Oper von José Maria Sanchez-Verdù. Im Sommer 2010 führte er Chaya Czernowins Oper Pnima an der Staatsoper Stuttgart auf.

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